Espressokaffee – Das Nationalgetränk der Italiener

Espressokaffee ist eine Definitionsfrage, an der sich die Geister und Konzerne scheiden.

Vieles wird heute als Espressokaffee bezeichnet.

Espressokaffee ist keine definierte und geschützte Produktkategorie wie Champagner oder Cognac. Weil der nicht geschützte Begriff Espresso aber ein attraktives Lifestyle-Produkt ist, kann es in allen möglichen unwahren Formen und auch als Fake vermarktet werden.

Schon im Jahr 1968, als Tchibo den Zentrifugen-Kaffee einführte, prozessierte Tchibo gegen die damalige POCCINO-Werbung mit den Plakat-Überschriften „Schaumiger Kaffee ist noch lange kein Espresso“. Das Oberlandesgericht Hamburg, also am Firmensitz von Tchibo gab Tchibo Recht und verbot die Aussage mit der Begründung:

„Was so aussieht wie Espresso, darf auch als Espresso bezeichnet werden“

So also stellen Großkonzerne mit ihrem Einfluss fest, was Espressokaffee ist. Damit wird ihnen eingeräumt, die wahre, aber leider nicht geschützte Definition für echten Espressokaffee zu verwässern. Darüber lachen die Italiener. Sie würden sich das nicht bieten lassen, weil sie wissen, was einen guten Espressokaffee ausmacht. Es ist schließlich ihr Kulturgut. Sie wissen eben wie er angebaut wird und wie er verarbeitet wird und sie wissen auch wie es eben nicht geht!

Insbesondere Verarbeitungsmängel sind in der industriellen Herstellung von Espressokaffee begründet und zwar mit dem Ultrakurzzeit-Turboröstverfahren, das gegenüber dem handwerklichen Langzeitröstverfahren dem Espressokaffee so gut wie keine Feuchtigkeit und somit kein Gewicht entzieht aber dafür sehr viel weniger Aromastoffe entwickelt. Da bleibt für den Hersteller das Gewicht des Kaffees erhalten, aber die Geschmacksqualität des Espresso bleibt auf der Strecke.

Espressokaffee ist eben nicht gleich Espressokaffee.

Packt man den Espressokaffee schließlich noch in Aluminiumkapseln, dann wird der Espressokaffee 2 – 4-mal teurer. Damit wird allein in Deutschland Müll produziert, der mehr als 6 Eifeltürme aufwiegt und ca. 3.000 Großmüllautofuhren erfordert.

Dass Aluminiumkapseln zu allem Überfluss und Müll auch noch ein hohes Gesundheitsrisiko beinhalten, wird von der Industrie „verständlicherweise“ ignoriert bzw. bekämpft. Die Studie von Prof. Sole von der Gregoriana, der päpstlichen Universität, spricht da eine andere Sprache. Auch wenn es vielleicht Jahre und Jahrzehnte dauert bis der Morbus Alzheimer massiv zuschlägt, sollte sich jeder Kapsel-Espresso-Trinker heute darüber Gedanken machen, ob er das Gesundheitsrisiko bewusst eingehen will.

Espressokaffee in Kapseln ist eben ein höchst lukratives Geschäft, was mit den teuersten Schauspielern der Welt beworben wird, wobei anzunehmen ist, dass solche Schauspieler um die Negativa des Kapsel-Espresso wissen. Sie kassieren auf der einen Seite Millionen und trinken andererseits ihren traditionell gerösteten, hochwertigen Espressokaffee aus einer Siebträgermaschine oder erfreuen sich in einer Espressobar an einem echten italienischen Espresso.

So wie unsere allgemeine Kultur sich auf Massen einstellt und sich so immer weiter verflacht, so wird auch Espressokaffee zur verflachten Kopie des Echten.

Dabei liegt es an uns, Espresso als ein Kulturgut anzusehen oder als Massenprodukt, es entweder verkommen zu lassen oder uns dagegen aufzulehnen.