Die Geschichte von POCCINO

Schon den Studenten Bruno Albrecht hat es der Espresso angetan. Ihn, der bei seinem Studium in Rom über die Organisationsstruktur der katholischen Kirchenregierung seine 5-6 Espressi genoss, ärgerte es schon damals, dass man außerhalb Italiens darauf verzichten musste. Im italienischen Espresso entdeckte er eine der wenigen Getränke-Kategorien mit dem sogenannten Weltgeschmack, den also alle Völker gleich empfinden wie bei französischem Cognac, wie bei französischem Champagner, wie bei schottischem Whisky.

Als Bruno Albrecht 1975 mit seiner Innovationsfirma dem damaligen Inhaber von Melitta Horst Benz seine Idee der Einführung einer italienischen Espressomaschine und Espresso-Kaffee, z.B. unter „POCCINO“ präsentierte, wurde er von ihm für total verrückt erklärt.

Nachdem damals Jacobs und Krups genauso abgelehnt haben, versuchte er es selbst. Über den Kontakt durch einen Tennispartner konnte er seine Maschinen-Innovation im damals kommunistischen Ungarn günstig produzieren.

Emilio Lavazza den Inhaber der größten italienischen Rösterei konnte er für seine ungewöhnliche Idee gewinnen. Den „Weltgeschmack des italienischen Espresso“ zu kreieren. Emilio Lavazza bat ihn 2 volle Tage mit ihm zu verbringen, wo Emilio Lavazza 26 verschiedene Kaffeesorten in seinem kleinen Röstmaschinchen individuell röstete und auskühlen ließ. Danach wurde jede Sorte separat gemahlen und mit einer Faema E61 zubereitet. Bruno Albrecht hatte die Sorten auszuwählen, die seinen Weltgeschmackskriterien entsprachen: „nicht bitter, nicht säuerlich im Gaumen und mit vollem Körper“. Am Ende des Tages kamen 7 Sorten infrage, Herr Lavazza: „So und morgen müssen Sie sich auf 3 Sorten einigen, maximal 4 sowie ein Mischungsverhältnis.
Das war die Kreation des POCCINO Espressokaffees 1977.

Als die ersten POCCINO Maschinen aus Ungarn, der erste POCCINO Espressokaffee aus Turin und Tassen aus Albisola in Düsseldorf ankamen, war die Setverpackung, die aus einem Großfoto des berühmten Café Quadro in Venedig bestand, schon gedruckt. Der Testverkauf konnte beginnen.

Nach holprigen Anläufen mit Propaganda-Aktionen bei Horten Duisburg, Hertie Karlsruhe u. München Bahnhofsplatz Ende 1977, kam der Startschuss für die Großeinführung im KaDeWe im Februar 1978 sowie Käfer München, kurz darauf alle großen Häuser von Kaufhof und Hertie (http://www.hertie.de/Info-Seite-Hermann-Tietz_c193).

Größte Einzelaktion war die 2-tägige Wiedereröffnung des KaDeWe mit 2 POCCINO-Propagandaständen. An einem Stand verkaufte die 9 Sprachen sprechende Frau Zeitträger 64-, am anderen Stand Prinzessin Hohenlohe 56 Maschinensets am ersten Tag.

Paul Bocuse, der berühmteste Koch der Welt, kam mehrmals am Tag, um einen POCCINO Espresso zu genießen „merveilleux, merveilleux“ und vor lauter Begeisterung brachte er Herrn Albrecht mit Monsieur Lenôtre, dem größten und feinsten Großkonditor von Paris zusammen, um diesen gemeinsam mit ihm zu überzeugen, in Frankreich diesen köstlichen Espressokaffee zu vertreiben.

Als 1978 in nur 9 Monaten 36.000 Maschinen-Sets allein in Deutschland verkauft waren und POCCINO-Kaffee in den Kaffeeregalen der Kaufhäuser zu finden war, war die Espresso-Marke POCCINO geboren und die Branche war etwas nervös geworden.

Der riesige Erfolg bewog schließlich auch den größten Schweizer Kaufhauskonzern Jelmoli POCCINO Maschinen und Kaffee 1979 in der Schweiz einzuführen. Aus dortigen Negativerfahrungen mit den Fehlern von Maschinen-Qualitäten aus Ostblock-Produktion in einem Land mit calvinistisch geprägter Super-Präzisions-Uhrwerkstechnik, kam von Jelmoli die Empfehlung zu der Firma OMRE, heute Quick als Hersteller für höherwertige POCCINO-Geräte.

Nach dem Anfangserfolg aufgrund der Nervosität im Markt, folgten empfindliche und existenzgefährdende Schläge, die die Anwälte von Bruno Albrecht als gesteuerten, aber nicht nachzuweisenden Anschlag der Konkurrenz eingestuft haben. Stiftung Warentest mit „mangelhaft“ für die POCCINO-Kaffeequalität (Bocuse: merveilleux!) und Norddeutscher Rundfunk mit einer in der Schweiz explodierten Maschine, die gar keine Maschine von POCCINO war, sondern von MENATECH.

Die Marke brauchte Jahre um sich zu erholen, es waren Jahre der Konsolidation am Rande des Ruins nach diesen ungerechtfertigten, ja  kriminellen Attacken auf die junge Marke. Diese kriminellen Attacken konnten die wahren Werte der Marke POCCINO nicht besiegen, nicht zuletzt durch die moralische Unterstützung von Emilio Lavazza, der zu POCCINO immer eine innige Beziehung behielt.

Inzwischen war der POCCINO Espressokaffee in den Kaufhäusern und in der Metro ein unverzichtbarer Artikel geworden.

Nach 5 Jahren Produktion bei Lavazza hat der Produktionschef  von Lavazza aufgrund des  Nachfragevolumens die totale Umstellung auf das industrielle Produktionsverfahren beschlossen. Emilio Lavazza, inzwischen richtig befreundet mit Bruno Albrecht, sagte wörtlich: „Ich weiß, dass Sie mit unserem industriellen Verfahren für POCCINO nicht leben können, aber ich kenne die besten Röstmeister Italiens, die Sie an einer Hand abzählen können. Dort wird Ihr POCCINO genauso gut hergestellt wie bei uns bisher“.

In dieser Zeit bemühte sich u.a. auch der Senior der Illy-Familie, Ernesto Illy, persönlich bei  Bruno Albrecht ihm POCCINO abzukaufen.

Inzwischen hatte Bruno Albrecht den Plan verfolgt, komplementäre Produkte des italienischen Lifestyle rund um die Espresso-Kultur zu seinem Betätigungsfeld zu machen.

Er kreierte die erfolgreiche italienische Konditoreiproduktmarke „SAN MARCO – Pasticceria Artigianale“ neben der italienischen Exklusiv-Kaffeemarke „CLUB di POCCINO“. Neuerdings kommt die  absolute Luxus-Marke „OPUS ONE“ für Espresso-Maschinen und -Kaffee für eine höchst anspruchsvolle Zielgruppe auf den Markt, die weiß, dass der beste Espresso nur mit der manualen oder automatisierten Siebträger-Methode und dem besten Espressokaffee erzielt wird und nicht mit Pads, überteuerten Kapseln oder Vollautomaten.

So wie die Schweizer Uhren mit ihren mechanischen Uhrwerken vor 50 Jahren totgesagt waren und heute stärker denn je sind, so ist Bruno Albrecht überzeugt, dass die Siebträger-Methode neben der Pad-, Kapsel-  bzw. Automaten-Methode einen Revival erfahren wird, ähnlich wie die handwerkliche Gourmetküche neben der schnelleren Aufwärmküche bestehen bleibt.